Freitag, 19. September 2025

Rodeo oder nicht Rodeo in Truro

🐂 Stampede auf den Bible Hills – unser Rodeo-Erlebnis 

Überall in Truro hingen Plakate, Radioansagen riefen dazu auf, und selbst am Supermarkt warb man für „Stampede 2025 auf den Bible Hills“ – ein Festival, das Musik, Rodeo und typisch kanadisches Western-Flair vereint. Wenn man schon mal da ist, dachten wir, darf man sich so ein Spektakel nicht entgehen lassen.

Also machten wir uns auf den Weg zum Festivalgelände. Überraschung: Wir fanden sogar einen Parkplatz! Schon beim Aussteigen fühlte man, dass man in eine andere Welt eintauchte – in eine Mischung aus Westernfilm und Countrymusikvideo. Überall Menschen mit Cowboyhüten, Stiefeln, Lederwesten. Für uns als unvorbereitete Besucher war es ein eigentümliches, fast surreal wirkendes Erlebnis.


Ein Rodeo selbst ist eine eigenwillige Mischung aus Sport, Show und Tradition. Man spürt sofort, dass hier viel Stolz und Herzblut drinsteckt. Da wird auf wilden Stieren geritten, acht Sekunden, die wie eine Ewigkeit aussehen. Pferde mit voller Kraft bocken, während Reiter versuchen, Haltung und Würde zu bewahren. Dazu schnelle Lasso-Wettbewerbe, bei denen Kälber eingefangen werden müssen – alles mit einer Präzision, die zeigt, dass hier Profis am Werk sind. Und das Publikum johlt, fiebert mit, feuert die Reiter an – eine Mischung aus Adrenalin und Volksfeststimmung. All das hätten wir erleben können.


Nur – wir kamen leider nicht rein. Karten gab es ausschließlich im Vorverkauf, und natürlich waren die längst vergriffen. Eine spontane Teilnahme als Rodeoreiter kam ebenfalls nicht infrage: angeblich muss man mindestens zehn Tage in Kanada sein, um eine Lizenz zu bekommen – irgendeine Quarantänebestimmung für Neulinge, so erklärten es uns lachend ein paar Einheimische.


Der Versuch, sich „inoffiziell“ über den Zaun Zutritt zu verschaffen, scheiterte an einer Mischung aus kanadischer Ordnung und unserer mangelnden Kletterpraxis.


 Also blieb uns nur das Festival-Feeling von außen. Aber auch das hatte seinen Reiz: Eine endlose Reihe an Verkaufsständen, eine „Fressmeile“ mit allem, was das Rind hergibt – von Burgern bis zu zartem Steak. Ich durfte sogar eine kleine Beefverkostung mitmachen.

So endete unser Stampede-Besuch ohne Rodeo-Arena, aber mit vielen Eindrücken und dem festen Entschluss: Nächstes Mal melden wir uns rechtzeitig an – dann klappt’s bestimmt auch mit den wilden Bullen.

Bay of Fundy und die Superwelle

Truro – wenn der Fluss plötzlich rückwärts fließt

Die Autofahrt vom Brenton Nationalpark zurück in die Halifax Region verlief dank gut ausgebauten Straßen seht entspannt. Unser Ziel für die nächsten 2 Tage ist Truro. Obwohl wir schon 1600 km gefahren sind und so richtig vorangekommen sind wir noch nicht. 
Glaubt man den Reiseführern, wartet in Truro ein weiteres einzigartiges Naturerlebnis. Und tatsächlich: Hier, am Salmon River, kann man Zeuge eines echten Weltwunders werden – dem Tidal Bore. 

Wir standen am Ufer, zuerst noch etwas skeptisch. Der Fluss plätscherte harmlos dahin, ein paar Enten dümpelten auf dem Wasser. Doch dann passierte das, wovon alle schreiben: In der Ferne tauchte eine Welle auf, wie aus dem Nichts. Sie rollte gegen die Strömung an, schob das Wasser zurück – und plötzlich floss der ganze Fluss in die „falsche“ Richtung.
Das Spektakel dauert nur wenige Minuten, aber es ist gewaltig. Man hört ein dumpfes Rauschen, das Ufer wird rasch überschwemmt, und die Enten blicken etwas verdutzt, bevor sie sich von der Welle mitnehmen lassen. Es ist eines jener Naturereignisse, die man nur schwer beschreiben kann – man muss es erlebt haben.

Der Grund dafür liegt in der Bay of Fundy, die mit ihrem Tidenhub von bis zu 16 Metern die höchsten Gezeiten der Welt hat. Zweimal am Tag drückt das Meer das Wasser hier flussaufwärts, und wer Glück hat, sieht eine richtige kleine „Gezeitenwelle“, die den Fluss umkehrt.

Nach wir das mit der Flutwelle gesehen hatten, wollten wir endlich dem Phänomen der Laubfärbung näher kommen. Im Victoriapark in Truro fanden wir seltsam gefärbte Ahornblätter, die eindeutig aus diesem Jahr stammen.
 Sie sind Ergebnisse von Versuchen, die Laubfärbung zu beeinflussen. Die Methode stammt aus China, wo ein kanadisches Dorf für touristische Zwecke nachgebaut wurde. In Kanada versucht man die für die Tourismusindustrie sehr wichtige Saison des Indian Summer auszudehnen um schon im Juni und Juli, der Hauptferienzeit, mit rotverfärbte Wäldern zu glänzen. Die Lösung steckt in der Chemie. Ein Parkmitarbeiter hat uns das alles erklärt. Bevor die Blatttriebe zu sprießen beginnen, kann man ab 1. April versuchen den für die Rotfärbung verantwortlichen Farbstoff, der sich normalerweise erst im Herbst bildet, durch einen chemischen Ersatzstoff zu ersetzen. Zum Einsatzkommt vernebeltes Eosin. 
Mit sogenannten Siemenstöpfen (korrekt Ionisationssprühnebler) werden ab ersten April jeden Jahres gewaltige Mengen des Farbstoffs Eosin elektrostatisch in Parks mit Ahornbäumen vernebelt. 
Die Farbstoffmoleküle sind dem natürlich im Ahornblatt vorkommenden Farbpigmenten chemisch sehr ähnlich und verdrängen diesen im Wachstumsprozess. Im Ergebniss kann man schon ab Ende Mai bis zum normalen Farbwechsel im Hebst mit rotverfärbten Blättern glänzen. Das Verfahren ist nicht unumstritten, verbraucht es doch gigantische Mengen an Elektroenergie, weswegen es auch nur im kommunalen Parks größerer Städte zum Einsatz kommen kann. Für die riesigen Waldflächen im Hinterland soll es andere Methoden geben. Auch überzeugt dieses Färbeverfahren nicht vollständig. Fehldosierungen führen schnell zu unnatürlich wirkenden tiefroten, braunen oder bunten Blättern. 

Mittwoch, 17. September 2025

Skyline Trail - and eine Wanderung der Superlative.

Skyline-Wanderung: atemberaubend & majestätisch

Wenn man sich in der Besucherinformation des Nationalparks nach Aktivitäten im Cape Breton Highlands erkundigt, bekommt man meistens zwei Informationen: Erstens, man muss die Skyline-Wanderung laufen. Und zweitens, man sollte sie keinesfalls zu den Stoßzeiten unternehmen. Besser vor 8:00 Uhr morgens oder nach 17:00 Uhr abends sein am Parkplatz. Denn sobald eine bestimmte Anzahl Autos da sind, wird der Parkplatz knallhart geschlossen, und man wird gnadenlos an der Attraktion vorbeigeleitet – kein Anhalten, kein Warten. Entlang der kurvigen Küstenstraße sieht man große Leuchttafeln, die warnen: Wer nicht rechtzeitig kommt, darf gar nicht erst anhalten. „Geschlossen heißt geschlossen“ – und zwar solange, bis genug Leute weggefahren sind.

Der normale Tourist steht da unter Druck: Früh aufstehen? Auf Frühstück verzichten? Oder sich gleich ein Plan B überlegen? Uns war’s egal. Wir hatten einen Plan B mit ein paar anderen Wanderungen im Kopf und sind entspannt um 10:00 Uhr von unserem Hotel in Chéticamp die etwa 21 km zur Skyline Trail hochgefahren – über die Superküstenstraße, Kurve um Kurve. Schließlich war doch Nachsaison – und siehe da: eine intelligente Entscheidung. Der Parkplatz war nur zu etwa drei Vierteln voll, und wir brauchten keinen Alternativplan. Skyline-Wanderung – wir kommen.

Die Skyline Trail liegt im Cape Breton Highlands National Park und ist eine der berühmtesten Wanderungen auf dem Cabot Trail. 

Daten & Fakten:

  • Länge: etwa 8,2 km, wenn man die komplette Schleife läuft. 

  • Dauer: etwa 2-4 Stunden, je nach Tempo, Pausen und Fotostops. 

  • Höhenlage: zwischen ca. 290 und 405 Metern. 

  • Schwierigkeit: Leicht bis moderat – keine extremen Steigungen, der Weg ist gut gepflegt. Der erste Teil angenehm durch Wald, später offeneres Gelände. 

Der Weg beginnt in Wäldern, dunkler Vegetation, Baumkronen über dir, Vogelrufe, Moose, feuchter Boden. Nach und nach lichtet sich das Gebiet, man steigt hinaus aufs Hochplateau. Am Ende der Route erreicht man das berühmte Headland Cliff – eine steile Klippe, die dramatisch über dem Meer hängt. Von hier aus sieht man die Cabot Trail Straße unter sich wie ein Band, Fahrzeuge wie Spielzeuge, das Meer weit draußen. Aussichtspunkte, ein hölzerner Boardwalk und Treppen führen bis an den Rand, wo man das Gefühl bekommt: Hier trifft das Ende der Welt auf den Beginn des Ozeans.





Am Ende war es für uns nicht nur eine Wanderung, sondern ein Erlebnis, das man lange im Kopf behalten wird: die Mischung aus schroffer Küste, endlosem Blick aufs Meer, dem Gefühl von Höhe und Freiheit – und der Erkenntnis, wie stark Natur, Planung und Geduld zusammenspielen. Nachtwanderung? Frühstück später? Nein einfach machen. 

Am Nachmittag war dann noch genug Zeit einige kleinere Walks im Nationalpark zu unternehmen. 1 Tag ist definitiv zu wenig, über 25 Trails warten hier auf den mehr oder weniger ambitionierten Wanderer, von der kleinen 500 m Schleife um einen einsamen See mit fleischfressenden Pflanzen über dunkle 350 Jahre alte Ahornwälder bis zum 5 h Adventure ins Hochland. Oder einfach nur Wale und Weisskopfseeadler gucken in den Sonnenuntergang. Bei soviel Natur vergisst man glatt die Laubfärbung.






298 km Postkarten motive - unterwegs auf den Cabot Trail

Nachdem wir Guysborough hinter uns gelassen hatten, führte uns unser Weg weiter „nach oben“ durch Nova Scotia – das Ziel: der Cape Breton Highlands National Park, ganz im Norden. Am Ende waren das fast 6 h Autofahren. Und der Weg dorthin führt uns über den Cabot Trail.

Wer bisher angenommen hatte, ein „Trail“ sei nur ein Wanderweg, irrt gewaltig. Der Cabot Trail ist eine der atemberaubendsten Küstenstraßen überhaupt: etwa 298 km  lang, eine Schleife rund um die Nordspitze von Cape Breton Island. 

Diese Panoramastraße verläuft durch den Hochland-Nationalpark („Highlands“ heißt nicht nur Name, sondern Erlebnis): Steilküsten, Meeresblicke, tiefe Täler, windgepeitschte Hochplateaus. Nach fast jeder Kurve ein neues Postkartenmotiv. Ein Eldorado nicht nur für Auto- und Motorrad-Enthusiasten – obwohl wir keine von beiden sind – aber ehrlich: auch ich war begeistert. Weil diese Straße nicht nur Sicht, sondern Gefühl bietet.

Da der Cabot Trail durch den Nationalpark führt, braucht man natürlich einen Nationalparkticket. Wie schon 2017 haben wir uns fürs Explorer-Ticket entschieden, das ein Jahr gültig ist – lohnt sich, wenn man mehrere Tage wandern und Natur genießen will.


Unsere Wanderung: Mica Hill Trail

Unser erster Stop auf dem Cabot Trail entgegen dem Uhrzeigersinn war der Mica Hill Trail

Hier ein paar Eckdaten und Erlebnis:

  • Länge: ~ 7,9 km    

  • Höhenlage: zwischen etwa 260 und 400 m, also ein moderater, aber lohnender Aufstieg. 

  • Landschaft & Ausblicke: Man wandert zuerst durch Acadian Mixed Forest – eine Mischung aus Laub- und Nadelbäumen – dann in die stunted taiga hoch auf das Hochplateau. Oben gibt es offene Flächen und spektakuläre Rundumblicke – auf Küstenorte, aufs Meer, auf Gebirge weit im Norden der Insel.  

Am Eingang wurde uns geraten: Nicht nur auf Schwarzbären und Hirsche zu achten – diesmal standen auch Koyoten (Coyotes) zur Warnung. Also war unsere erste Aufgabe, etwas zur Abwehr zu finden. 

Diese Warnung hatte Gewicht, und das in zweifacher Hinsicht. Erstens gab es tatsächlich eine tragische, aber wahre Geschichte: 2009 wurde die kanadische Sängerin Taylor Mitchell im Cape Breton Highlands National Park Opfer eines tödlichen Coyoten-Angriffs. Und zweitens: Solche Abwehrknüppel als Bewaffnung haben Gewicht.

Wir trafen auf unserem Mica Hill Trail keine Koyoten (was auch beruhigend war), dafür auf Wind, auf klare Luft – und auf Ausblicke, die so Highland-schottisch wirkte, dass ich fast erwartet hätte, ein Dudelsack-Echo zu hören. Tatsächlich gibt es in der Region eine starke Geschichte schottischer (gälischer) Einwanderer, und an manchen Stellen sind die Hinweisschilder sogar teils auf Gälisch. Diese Verbindung von Natur und Kultur verstärkt das Gefühl eines alten Highlanderpfades mitten in Kanada.

Am spannendsten: Wir sahen erste zart verfärbte Ahornbäume – ein kleiner Vorbote vom Indian Summer, so hofften wir.  Vielleicht sind doch nicht die Windräder für die Verfärbung verantwortlich. Es könnte der Wind sein, er wirbelt Staub und kleine Partikel auf. Dieser Staub setzt sich vielleicht auf den Blättern ab und verändert vielleicht die Art, wie das Sonnenlicht durch die Blattzellen fällt. Oder der  Wind erzeugt so etwas wie Turbulenzen in der Luft, die die Bäume „aktivieren“, ihr Farbstoffwechsel gerät dadurch in Stress, und die Blätter färben sich schneller. Natürlich alles hypothetisch. Ich bleibe dran.

Den Abend beschliessen wir im schottischen Pub mit Livemusik mit der Fiddel, einen leckeren Suft&Turf für die die es mögen und natürlich lokalen Craftbier.


Montag, 15. September 2025

2 Tage in Guysborough

 Am nächsten Morgen in Guysborough – richtig, so schreibt man das – bestätigte sich unser Verdacht endgültig: Wir waren mitten in der Nachsaison gelandet. Überall Ruhe, kaum Touristen, viele Restaurants und Cafés hatten die Öffnungszeiten bereits verkürzt. Eigentlich genau das, was wir gesucht hatten, auch wenn der legendäre Canadian Summer sich weiter rar machte.

Unseren ersten vollen Tag hier verbrachten wir bei strahlendem Sonnenschein auf die bequemste Art: gar nichts tun. Vor der Jurte, in den Liegestühlen, nur der Blick über die Weingärten und die leichten Hügel ringsum. Herrlich faulenzend, mit einem Hauch schlechtem Gewissen, das aber nach spätestens zehn Minuten wieder verflogen war.

Abends wollten wir den Webergrill anwerfen – wenn man schon Glamping macht, dann bitte richtig. Würstchen waren schnell besorgt, nur die Beilage fehlte. Da erinnerte sich Sabine, dass sie morgens auf ihrer Suche nach ein paar Weintrauben fürs Frühstücksmüsli im nahen Gras ein paar Pilze entdeckt hatte. Also zogen wir los auf Pilzpirsch. Und tatsächlich: wir kamen mit reicher Beute zurück – Champignons in allen Größen. Also war das Beilagenproblem gelöst. Am Abend brutzelten auf unserem Grill nicht nur die Würstchen, sondern auch frisch gesammelte Pilze. Ob die kanadische Variante des Indian Summer nun mit oder ohne Vollmond einsetzt, blieb weiterhin offen. Aber kulinarisch war er bei uns schon angekommen.




Man kann ja nicht immer faul rumliegen – also führte uns der zweite Tag von Guysborough ins ca. 50 km entfernte Fischerdorf Canso. Auch hier war es ruhig, sehr ruhig – aber das störte uns kaum. Genau das hatte ja seinen Charme.

Canso ist eines der ältesten Fischerdörfer auf dem kanadischen Festland. Franzosen und Basken kamen ab dem 16. Jahrhundert, um hier Fischfang zu betreiben. 

Später, Anfang des 18. Jahrhunderts, wurde Canso für die Briten strategisch wichtig – Forts wurden errichtet, es gab wiederholt Konflikte mit Franzosen und den Ureinwohnern Nordamerikas vom Stamm der Mi’kmaq.

Heute ist Canso zwar kein lebhaftes Zentrum mehr, aber es trägt sein Erbe sichtbar: alte Fischerei, historische Orte wie die Canso Islands und das Grassy Island Fort, und jener Hauch von Geschichten, den man spürt, wenn man durch den Hafen geht. 


Wir hatten uns vorgenommen, zwei Wanderungen zu machen – richtige Wilderness Trails mit allem, was dazugehört: moosbewachsene, dunkle Waldwege, Tiere (wir hofften auf Hirsche, vielleicht sogar einen Wal), und spektakuläre Ausblicke aufs Meer und Ahornbäume.

Wanderschuhe geschnürt – und los ging’s. Unsere erste Tour war zum Gully Trail (wir gaben ihm so einen fast geheimen Touch, denn er war in keiner Broschüre verzeichnet). Die Warn- oder Hinweisschilder versprachen Begegnungen mit Schwarzbären, Hirschen, Aussichtspunkten über die Ahornwälder und aufs Meer. Wir hatten zwar unsere Bärenpfeife vergessen – typisch – aber das gedachte Risiko machte es nur spannender.



Die Natur lieferte: moosige Böden, Schattenwald, vereinzelt Vogelstimmen – aber keine Schwarzbären. Dafür entdeckten wir Blaubeeren zuhauf: süß, sommerlich, wie kleine Aromaregale zum Naschen. Und dann die Stechmücken! Die kleinen Biester hatten auch offenbar Vorliebe für uns entwickelt, also abwechselnd schlagen und latschen – und weiter.

Die zweite Wanderung des Tages führte uns zum Black Duck Trail – oder wie wir ihn sofort ins Deutsche übersetzt haben: „der Pad der schwarzen Ente“. Schon der Name klang nach Abenteuer, in der Praxis bedeutete er aber vor allem: wieder absolute Einsamkeit. Wir waren allein unterwegs, und am Ende des Weges wartete eine ganze Badebucht nur auf uns.

Der Atlantik war kühl, aber nicht eisig. Ein erfrischendes Bad, so wie man es sich wünscht – kurz, prickelnd, wach machend. Wieder einmal dachten wir: Warum sind wir eigentlich die Einzigen, die hier sind? Nachsaison hin oder her, schöner kann es doch kaum sein.

Auch tierische Begegnungen blieben uns nicht erspart. Eichhörnchen sprangen über die Bäume und Wege, so nah, dass man fast ihre Pfötchen zählen konnte. Später, beim Zurückblicken, kamen wir überein: manches Vogelgezwitscher im Gebüsch war vermutlich gar kein Vogel, sondern Eichhörnchen-Gemecker. Klingt nämlich verdammt ähnlich – und wahrscheinlich haben die kleinen Kerle sich über uns lustig gemacht.



Doch die größte Überraschung war akustischer Natur. In der stillen Landschaft glaubte ich plötzlich, einen Flugplatz in der Nähe ausgemacht zu haben. Ein tiefes, gleichmäßiges Dröhnen, wie von Turbinen. Bis wir schließlich vor fünf gigantischen Windrädern standen. Wuchtige Riesen, die sich im Takt drehten und bewiesen, dass auch die friedliche Natur ihre eigene Geräuschkulisse haben kann.

Und dann kam sie endlich: die erste sichtbare Spur dessen, worauf wir seit Tagen warten – zart verfärbte Ahornblätter. Vielleicht, ganz vielleicht, setzt der Indian Summer ja doch ein. Und weil wir die Stelle nie vergessen werden, haben wir auch gleich eine absurde Theorie entwickelt: Es liegt an den Windrädern. Die erzeugen so viel Luftwirbel, dass die Blätter durch den zusätzlichen „Sauerstoffschock“ rot werden. Oder war es der „Windstrom-Dünger“? Egal – Hauptsache, es tut sich was. Vollmond hin oder her.

Sonntag, 14. September 2025

Von Halifax nach Guysborough – Norwegen in Kanada und ein Zuber zum Sternegucken

Heute geht es immer weiter Richtung Norden. Die Straßen wurden ruhiger, die Landschaft hügeliger, und irgendwann fühlten wir uns fast, als hätte jemand einen Schalter umgelegt: Ruhe, Natur, Meerblickeund scheinbar endlose grüne Wälder. 

Auf der Strecke entdeckten wir noch ein verschlafenes Museum mit Wasserfallwanderung und gesprächigen Frauen in der Touristeninfo. Dort war man so gar nicht besorgt, das die Laubverfärbung noch nicht begonnen hat. Man versicherte mir, das hat alles mit den Vollmond zu tun. Ohne Vollmondnacht kein Indian Summer! So ist das nämlich. Jetzt muss ich nur noch rauskriegen wann der nächste Vollmond ist.






















Nach knapp 300 Kilometern kamen wir nachmittags in Guysborough, unseren Tagesziel, an. Ein kleines verschlafenes Städtchen, wo die Meeresarme so fjordähnlich sind, dass man kaum unterscheiden kann, ob man an der Ostküste Kanadas oder irgendwo in Norwegen ist. 

Und dann kam der große Moment: Wir bezogen unsere Jurte auf dem Gelände von Authentic Seacoast, auf einer Halbinsel mit Weingarten, Hopfen, Bienenstöcken gelegen – ein Glamping-Erlebnis, das so abgestimmt ist, dass man sich sofort willkommen fühlt. 

Unsere Jurte war bestens ausgestattet: gemütliches Bett, Decken, Kissen, ein Holzofen, Licht, Möbel, ein kleines Küchen -Set, privater Deck mit Stühlen, ein Weber-Grill und ein Picknicktisch, alles da. Dazu gemeinschaftlich nutzbare Waschräume und Duschen – und für uns das Highlight: ein Badezuber, der schon vorgeheizt war. Die Sterne über uns, völlige Stille ringsum – wir waren die einzigen Gäste auf dem Gelände. Vielleicht ein Effekt der noch nicht wirklich begonnenen Saison, vielleicht timing mit dem Vollmond – wer weiß.

Der Badezuber war zuerst allerdings explosionsheiß: Unser Gastgeber war wohl etwas überambitioniert und hatte beim Anheizen des Ofens etwas zuviel Holz gegeben. Nach einigen Eimern kaltem Wasser war das Ganze dann doch ziemlich angenehm – heiß genug, um in den Tag hineinzuträumen, kühl genug, um nicht gekocht zu werden. Wie in einem Traum aus  Abenteuer und Luxus.





























Und so ging der Tag zu Ende: ein Craft-Bier vom Besitzer der Anlage, Sterne, Waldgeruch, Meerluft – und der Gedanke, dass der Indian Summer wohl noch kommen muss, spätestens mit dem nächsten Vollmond.

New Germany - ein Stück Deutschland in Kanada

Tag 2: Von Halifax nach Lunenburg & zurück über die Leuchtturmroute – mit Meer, Geschichte und (fast) Indian Summer

Wir starten den Morgen in Halifax mit einem kleinen Jogging-Lauf durch die noch ruhigen Straßen, Meeresluft in der Nase und Kaffee in Aussicht. Unser Frühstück ist die reine Improvisation. Unterwegs haben wir noch etwas Lebensmittel gekauft. Im doch recht engen Hotelzimmer will uns aber ein richtiges entspanntes Frühstück nicht gelingen. 

Dann schnappen wir unseren Mietwagen und machen uns auf nach Lunenburg (ja, nicht zu verwechseln mit Lüneburg!), ein „Katzensprung“ entlang der Küste. Nova Scotia hat auch eine reiche deutsche Einwandertradition. Lunenburg wurde 1753 gegründet, und zwar von sogenannten „Foreign Protestants“ – hauptsächlich aus Deutschland, der Schweiz und Frankreich.



















Lunenburg heute sind vor allen bunte Häuser und Touristen. Der Ort wirkt wie ein Postkartenmotiv: knallbunte Holzhäuser, enge Gassen, ein Hafen, in dem noch wirklich Schiffe liegen und nicht nur Fotolieblinge, und ziemlich viele Touristen jenseits der 70, die wahrscheinlich per Bus von Kreuzfahrtschiffen in Halifax eingeschifft wurden. Aber das stört nicht – das macht eher den Charme dieses Weltkulturerbeortes aus. Man schlendert, schaut, riecht frischen Fisch, hört Möwen, und denkt: Hier hat man Zeit zum Altwerden.

Nach einer Weile in Lunenburg sind wir doch weitergefahren zum „Oven Park“  etwa 15 km entfernt. Dort gibt’s direkt an der Küste einen pitoresken Weg entlang der Steilküste, mit schönen Aussichten auf versteckte Buchten – jede Bucht mit eigenem Charakter: mal ruhig, mal dramatisch, mit Felsen, Wasserrauschen, und dem ständigen Wechsel von Licht und Schatten. Bei der Wanderung von ca. 2 km faszinierte mich besonders eine Sage, die im Wanderführer beschrieben wird, wonach ein Eingeborener durch eine „Indianer Grotte“ unterirdisch quer durch Nova Scotia auf seinen Kanu gepaddelt sein soll. Und Gold gibt es dort auch noch zu finden. Gleich mehrere verwegene Nuggetjäger versuchten sich mit Spaten und Pfanne.



Auf dem Rückweg nach Halifax nehmen wir die Leuchtturmroute. AUf unseren Weg zurück nach Halifax liegen noch zwei Haltepunkte.









  • Absturzstelle des Swissair-Fluges 111 (2. September 1998): Ein bewegender Ort. Man sieht am Memorial, wie sehr Natur und Erinnern zusammenkommen – das Meer, die Küste, die Stille, und man fühlt: Das hier ist nicht bloß Kulisse, sondern Teil von Menschenleben, von Verlust und Gedenken.





























  • Peggy’s Cove – der meistfotografierte Leuchtturm der Welt: Wir hatten Glück. Beim Eintreffen war die Menschenmenge schon weitgehend weggefallen, die Busladungen weg, das Licht war weich. Perfekt für Fotos. Kein Gedränge, keine Selfie-Sticks, die einem das Bild ruinieren – stattdessen Salzluft, Wellen, die Felsen, und dieser wird-hier-gleich-ein-Bildmoment.





































So ließen wir den Tag mit einem entspannten Fototermin ausklingen, zufrieden, ein bisschen müde, aber voller Eindrücke.


Wir starten unseren Kanadaurlaub dieses mal ja Anfang September – und jeden Tag erwarten wir heimlich, dass das Laub sich verfärbt. Wegen dem Indian Summer sind wir ja eigentlich hier.

Aber: Nichts. Stattdessen noch viel Grün, hie und da ein Blatt, das schon bräunelt, aber nichts Dramatisches. Unterwegs haben wir schon Leute gefragt, wo der Indian Summer in diesen Jahr bleibt.

Man meint, wir sind einfach zu früh dran. Anfang September - das geht garnicht. Mir scheint, es ist eine Gratwanderung zwischen schönen Sonnenwetter und Laubverfärbung. Beides geht halt nicht. Aber noch ist mir gerade das schöne Wetter lieber als rote Blätter. Aber irgendwann in den nächsten 4 Wochen sollte es doch losgehen!


Donnerstag, 11. September 2025

Halifax - das Tor ins wilde Kanada



Tag 2: Halifax – das Tor zur Neuen Welt (und zu Lobster Rolls)

Halifax war für Millionen Einwanderer einst das Tor zur Neuen Welt. Für uns ist es das Tor zu vier Wochen Kanada-Abenteuer.


Die Übernahme unseres Mitautos ging entspannt und schnell vonstatten. In Halifax ein Parkplatz zu finden und sich im Gewirr der Einbahnstraßen zurechtzufinden, war da schon eher eine Herausforderung. 

Endlich zu Fuß unterwegs, haben wir die Waterfront hoch und runter erkundet. Der Hafen von Halifax ist eine Mischung aus Seeluft, Touristenflair und kleinen Überraschungen. Eine unserer Lieblingsattraktionen des Tages: die berühmten „drunken lamp posts“. Die betrunkenen Laternen sind absichtlich krumm gebaut und sehen so aus, als hätten sie beim letzten Hafenfest ein Gläschen zu viel erwischt. Wir fanden sie großartig – und irgendwie passten sie perfekt zu unserer noch leicht übermüdeten Jetlag-Stimmung.


Kulinarisch bin ich natürlich gleich in die Vollen gegangen: die ersten Lobster Rolls. Frisch, buttrig, saftig – Ein bisschen Luxus im Brötchenformat. 

So ging der erste Tag in Halifax zu Ende: mit vollen Bäuchen, schiefen Laternen und dem guten Gefühl, dass die Reise jetzt so richtig angefangen hat.


Mittwoch, 10. September 2025

Kanada – wir kommen wieder!

Ich mache einfach mal in den alten Kanada Reiseblog von 2017 weiter!

Kanada – wir kommen wieder!
Endlich ist es soweit: Unser Abenteuer im Osten Kanadas beginnt. Vier Wochen liegen vor uns – vier Wochen voller Natur, Geschichte, Küste, Städte, und bestimmt auch ein bisschen Abenteuer. Startpunkt unserer Reise ist Halifax, die lebendige Hafenstadt in Nova Scotia. Von dort aus wollen wir uns mit einem Mietwagen quer durch den Osten des Landes schlagen, immer der Nase nach, mit viel Neugier im Gepäck und Montreal als Ziel im Kopf.

Die Zugfahrt von Halle nach Frankfurt lief erstaunlich glatt – keine Verspätung, kein Chaos, fast schon unheimlich. Natürlich waren wir trotzdem ganze drei Stunden zu früh am Flughafen. Aber besser zu früh als im Sprint durch die Sicherheitskontrolle, oder?

Das Einchecken geht inzwischen übrigens direkt am Bahnhof – ganz ohne Personal. Man darf jetzt höchstpersönlich den Kofferaufkleber ausdrucken, ankleben und das Gepäck am Automaten verschlucken lassen. Fortschritt nennt sich das. Wir hoffen nur, dass wir unsere beiden Koffer in Halifax auch tatsächlich wiedersehen.

Unsere letzte Kanadareise vor acht Jahren begann nämlich etwas turbulenter: Damals musste Sabines Koffer erst mal eine kleine Solo-Tour durch die Flughäfen dieser Welt unternehmen. Nach einer Woche war er dann gnädigerweise auch in Kanada eingetroffen (siehe Tag 4 dieses blogs). Ironischerweise begleitet uns heute der Ersatzkoffer – damals in Kanada als Ersatz gekauft. Man könnte also sagen: Er reist jetzt zurück in seine alte Heimat. Mal sehen, ob er diesmal ohne Umwege ankommt.




(Beim Reiseblogschreiben)


Jetzt heist es erst mal:  Sitzplatz im Flugzeug finden und abheben. Mit Discovery, der Lufthansa-Tochter, geht es von Frankfurt direkt über den Atlantik. Während wir uns noch fragen, ob wir eher Hummer essen, Wale beobachten oder Leuchttürme zählen werden – sind wir schon mitten im Start unseres Kanada-Kapitels.

Freitag, 1. September 2017

Tag 22

Calgary
Unser Urlaub nähert sich dem Ende. Bis Calgary sind es nur 110 km, die haben wir uns für nachmittag augehoben. Also haben wir die verbleibenden Highlight von Banff besucht. Als da wären:
-die heilenden heißen (30 grd C) radioaktiven Basequellen. Es macht auch etwas Spaß sich in den heißen Wasser mit Bergpanorame zu suhlen.

Dann die obligatorische Wanderung des Tages -10 km durchs Marschland mit einen Abstecher in und auf einen Canyon.

in Calgary erwartete uns wieder das Sandman Hotel direct in down town - und im Hotel wartete ein neuer am Vortag bei Amazon bestellter Koffer. Die Rückfahrt ist gesichert.

Vier Wochen Kanada – und kein Tag wie der andere – ein Reiserückblick

Am Strom der Erinnerungen Wir sitzen am Ufer des St. Lorenzstroms, Montreal liegt hinter uns, und wir versuchen, die letzten vier Wochen Kan...