Nebel, Rückenflossen und Sekunden des Staunens
Nach unserer knapp 90-minütigen Fährüberfahrt über den Sankt-Lorenz-Strom sind wir definitiv in Québec angekommen – und mittendrin im Walgebiet. Hier reiht sich ein Walbeobachtungs-Aussichtspunkt an den nächsten. Waltouren werden überall beworben. Und berühmt ist hier vor allem der weiße Belugawal. Er hat hier stabile Populationen, die in den Flussmündungen und im Mündungsgebiet des Saguenay und des St. Lawrence herumtauchen.
Für uns heisst das am Morgen - auf zu den Walen.
Wie das mit den Walen so ist – sie sind Säugetierfische, also meist unter Wasser. Der erfolgreiche Beobachter braucht vor allem eines: Geduld. Also machten wir es uns auf den Küstenfelsen gemütlich,
Vor uns der breite Sankt-Lorenz-Strom, hinter uns der farbenbunte Küstenwald, der in allen Schattierungen von Gelb und Rot schon zaghafte Indian-Summer-Versprechen abgibt. Wir haben es uns auf den Küstenfelsen gemütlich gemacht, halb liegend, halb sitzend – eben so, wie man es tut, wenn man auf Wale wartet. Über dem Wasser wabert eine Nebelwand, die sich langsam Richtung Küste schiebt. Mal dichter, mal durchscheinender, wie ein Vorhang, der jede Minute neu arrangiert wird. Aus der Ferne dringt dumpf das Nebelhorn eines Schiffes zu uns herüber, gedämpft, geheimnisvoll. Ein akustischer Beweis, dass da draußen noch mehr unterwegs ist als nur Wale.
Und dann passiert es. Plötzlich bricht das Wasser auf. Eine Rückenflosse taucht auf, schneidet kurz die graue Fläche. Ein schwarzer Körper, vielleicht drei bis fünf Meter lang, wälzt sich einmal durch die Wellen – und schon ist alles vorbei. Sekundenbruchteile, die reichen, um Herzklopfen zu erzeugen. Für das Auge großartig, für die Kamera ein Desaster. Ein Foto? Keine Chance. Der Nichtprofi in Sachen Tierfotografie bleibt hier chancenlos.
Wir sind sicher: Es war ein Minkwal – 3 bis 5 m lang, schlank, schwarz-grau, die zweithäufigste Walart in der Region. Minkwale (oder Zwergwale) sind Zahnwale, die 30–50 min tauchen können und fast lautlos wieder auftauchen. Deshalb sieht man oft nur die Rückenflosse und einen kleinen Teil des Körpers, bevor sie wieder verschwinden. Im St. Lorenz-Strom kommen sie regelmäßig nahe an die Küste, auf der Suche nach kleinen Fischen wie Heringen und Sandaalen.
Wieder stilles Wasser. Nur Nebel, Wald, Felsen. Wir warten. Und wissen jetzt: Wer Wale sehen will, braucht Geduld – und vielleicht auch die Fähigkeit, diese flüchtigen Sekunden einfach ins Gedächtnis einzubrennen, statt sie auf die Speicherkarte bannen zu wollen.
Die Belugajagd lassen wir für den nächsten Tag. Dank eines Besuchs im sehr empfehlenswerten Walzentrum in Tadoussac kennen wir jetzt die besten Beobachtungsstellen für die Belugawalfotopirsch.



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