Zweisprachig, frostig, farbenfroh
Wir haben Nova Scotia hinter uns gelassen und sind nun in einem neuen Bundesstaat: New Brunswick. Schon wenige Kilometer nach der Grenze merkt man, dass sich etwas verändert. Die Landschaft bleibt kanadisch weit, mit Wäldern, Seen und Flüssen – aber die Atmosphäre kippt.
Hier ist Kanada zweisprachig. Die Straßenschilder tragen plötzlich alles doppelt – Englisch und Französisch. Wo man eben noch freundlich mit Hello begrüßt wurde, heißt es nun Bonjour! – und das nicht als touristische Floskel, sondern als selbstverständliche Alltagssprache.
Man spürt sofort, dass New Brunswick die Brücke ist zwischen den anglophonen und frankophonen Kulturen Kanadas. Die Orte tragen oft französische Namen, die Supermärkte beschriften ihre Angebote zweisprachig, selbst die Tankstellen haben Bedienungsanleitungen auf Englisch und Französisch.
Die zweite Überraschung: das Wetter. Tagsüber strahlt noch die Sonne und man denkt an Spätsommer. Doch kaum verschwindet sie hinter den Hügeln, wird es empfindlich frisch – nachts gerade einmal 2 bis 4 °C. Zum Glück müssen wir nicht mehr zelten.
Die Kälte scheint allerdings ein Künstler zu sein: Sie mischt mit am großen Werk der Laubfärbung. Ganz langsam beginnt sich das Grün in spektakuläre Rot-, Gelb- und Orangetöne zu verwandeln. Für Autofahrer eine echte Herausforderung – man möchte an jeder bunten Baumgruppe halten, Kamera zücken, festhalten. Doch das Gefühl sagt: das Beste kommt erst noch.
Dort gönnten wir uns eine kleine, aber nicht unwichtige Reise-Luxusaktion: Wäschewaschen im Hotel. Nach zwei Stunden Trocknergebrumm hatten wir endlich wieder frische Kleidung für die kommenden zwei Wochen – ein Gefühl fast so befreiend wie ein Bad im Atlantik.
Auf den Weg nach Miramichi legten wir noch 2 Zwischenstops ein. Die Reiseführer hatten uns schon neugierig gemacht: Magnetic Hill in Moncton, eine der bekanntesten Kuriositäten Kanadas. Natürlich wollte ich als Freund aller seltsamen Phänomene diesen Ort mit eigenen Augen sehen.
Hier soll das Auto angeblich bergauf rollen, wenn man es in den Leerlauf stellt. In Wahrheit handelt es sich um eine klassische optische Täuschung: die Landschaft, fehlender Horizont und die Straßenführung gaukeln dem Gehirn einen Anstieg vor, obwohl die Strecke tatsächlich leicht bergab geht.
Seit Jahrzehnten pilgern Touristen hierher, um sich von der Illusion täuschen zu lassen. Nur wir nicht – denn es ist uns schlicht nicht gelungen, den richtigen Eingang zum Vergnügungspark zu finden, geschweige denn ein Kassenhäuschen. So blieb es bei einem Schulterzucken und der Erkenntnis: auch das Scheitern gehört zum Reisen dazu.
Der zweite Stopp war weitaus erfolgreicher: der Kouchibouguac National Park, nördlich von Moncton an der Ostküste. Der Name klingt kompliziert, aber der Park selbst ist einladend und abwechslungsreich.
Es waren keine großen Touren, eher kleine Erkundungsschleifen – aber gerade das machte sie perfekt, um zwischendurch nach langer Autofahrt tief durchzuatmen.
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